Ich bin nicht kreativ — oder doch? Wie du deine Kreativität wiederfindest

Wenn Kreativität Unsicherheit auslöst

Kreativität weckt bei vielen Menschen Unsicherheit.
Der Gedanke zu malen, zu zeichnen oder etwas zu gestalten löst sofort einen inneren Vergleich aus — besonders in einer Gruppe.

Vielleicht kennst du Gedanken wie: Andere können das besser. Meine Arbeit wird sicher nicht gut.
Und vermutlich wurzelt hier der Satz, den ich zu Beginn meiner Kurse so oft höre: «Ich bin eigentlich gar nicht kreativ.»

Glaub mir, diese Sorge darfst du loslassen. Ich sehe immer wieder wie Kreativität aufblüht, sobald ein sicherer und unterstützender Rahmen da ist.

Manche erleben bei mir zum ersten Mal einen Raum, in dem ihre Kreativität nicht bewertet wird. Das kann sehr berührend sein. Manchmal entsteht dabei ein leises Aufatmen. Es ist, als würde man dem inneren, kreativen Kind wieder begegnen, das lange keinen Platz mehr hatte.
Und mit dieser neuen Erfahrung beginnt die Kreativität oft ganz von selbst wieder zu fliessen.


Warum viele Menschen den Zugang zur Kreativität verlieren

Viele Menschen kennen auch den Satz:
«Als Kind war ich kreativ und habe das verloren.»

Als Kinder drücken wir uns ganz selbstverständlich aus: mit Farben, mit Bewegung, mit unserer Stimme. Manche hatten das Glück, dass dieser Ausdruck willkommen war und auf einen nährenden Boden fiel.

Viele von uns haben jedoch andere Erfahrungen gemacht. Sätze wie «Pass auf, dass du nicht alles schmutzig machst» oder «Was soll denn das sein?» wirken oft länger nach, als wir denken. Auch Bewertungen in der Schule oder der Vergleich mit anderen können dazu beitragen, dass Hemmungen entstehen.

Wenn solche Momente sich wiederholen, verliert der kreative Ausdruck seine Leichtigkeit. Wir verlieren die Freude daran. Unsere Kreativität wird vorsichtiger, kontrollierter oder verschwindet ganz aus unserem Alltag.

Nicht selten beginnen wir, den Bewertungen anderer mehr zu glauben als uns selbst. Wir wollen es richtig machen, uns anpassen, nicht auffallen. Und irgendwann glauben wir: «Ich kann das nicht. Ich bin nicht kreativ.»

Vielleicht macht dich dieser Gedanke beim Lesen sogar ein wenig traurig. Und vielleicht spürst du gleichzeitig, dass da noch etwas in dir ist, das sich zeigen möchte.


Kreativität wiederfinden in einem sicherem Raum

Lass uns einen Moment innehalten und eine andere Perspektive entstehen lassen:

Stell dir vor, du hättest damals einfach machen dürfen. Ohne Bewertung, ohne Korrektur, ohne Vergleich. Vielleicht hätte jemand mit dir gemalt, mit dir gesungen oder dich einfach in deinem freien unbeschwerten Ausdruck begleitet. Was für ein Raum wäre das gewesen? Welche Verbundenheit wäre entstanden? Welche Freiheit?

Kreativität braucht genau so einen Raum. Einen Ort, an dem wir uns sicher fühlen. An dem es kein Richtig und Falsch gibt, sondern nur ein Ausprobieren, ein Wahrnehmen, ein sich Einlassen auf das, was entsteht.

In einem solchen Raum darf Neugier wieder auftauchen. Wir beginnen zu spielen, zu entdecken, zu spüren. Wir machen Erfahrungen, lernen dazu und entwickeln ganz nebenbei Vertrauen in uns selbst und in unsere Ausdruckskraft.

Es ist ein Ort ohne Müssen und dadurch bekommt das Wollen wieder Raum.


Achtsamkeit im kreativen Prozess

Diese Haltung ist eng mit der Achtsamkeit verbunden.
In der Achtsamkeit üben wir, wahrzunehmen, was ist, ohne sofort zu bewerten. Diese Qualität trägt auch den kreativen Prozess.

Anstatt zu beurteilen, wenden wir uns dem zu, was sich zeigt: Gedanken, Gefühle, Farben, Formen, Strukturen. Wir bleiben neugierig und offen für das, was entsteht.

Wenn eine Teilnehmerin mich fragt: «Ist das gut?», antworte ich oft mit einer Gegenfrage:
«Wie fühlt es sich für dich an?». Manchmal auch: «Hast du Freude daran?»
oder «Konntest du das ausdrücken, was dir wichtig ist?»

Diese Fragen führen weg vom Urteil und hin zum eigenen Erleben. Es entsteht Verbindung und etwas beginnt sich zu verändern.

Meine Aufgabe ist es, diesen Prozess zu begleiten, wohlwollend und bestärkend. Manchmal biete ich einen Impuls an, wenn etwas ins Stocken gerät oder die innere Kritikerin laut wird. Manchmal eröffne ich eine neue Perspektive oder unterstütze bei ganz praktischen Fragen.

Das Wichtigste geschieht jedoch schon viel früher.
Dann wenn Menschen sich die Erlaubnis geben wieder kreativ zu sein.
Neben der Unsicherheit höre ich zu Beginn eines Kurses nämlich auch einen so wichtigen zweiten Satz: «Ich bin neugierig.»

Beides gehört dazu, die Zweifel und die Neugier. Und in diesem Spannungsfeld beginnt Veränderung.

Kreativität beginnt oft dort, wo Bewertung und Leistungsdruck leiser werden.


Wie Kreativität wieder wachsen kann

Die kreative Kraft verschwindet nicht einfach.
Oft zieht sie sich nur zurück.

Manchmal fühlt es sich an, als wäre sie ganz weit weg und doch ist sie noch da. Wie ein Samen, der im Verborgenen darauf wartet, wieder Licht und Wasser zu bekommen.

Und vielleicht ist sie gar nicht verschwunden, sondern zeigt sich längst in anderen Formen: im Gestalten deines Alltags, in deinem Blick für Details oder Ästhetik, im Finden von Lösungen.

Kreativität bedeutet schöpferisch zu sein. Sie zeigt sich überall dort, wo wir gestalten, wahrnehmen und neue Verbindungen entstehen lassen.

Vielleicht magst du dir einen Moment Zeit nehmen und dich fragen:

Wann war ich das letzte Mal kreativ?
Vielleicht beim Lösen eines Problems, Schreiben, Fotografieren, im Garten oder beim Gestalten eines Raumes.

Wann habe ich mich als Kind kreativ und frei gefühlt?
Was hat mir daran Freude gemacht?

Welche Gedanken tauchen auf, wenn ich an kreatives Gestalten denke?
Sind es vielleicht Sätze wie: «Ich kann das nicht.» oder «Andere können das besser»?
Oder eher so? «Das würde bestimmt Spass machen…» oder «Darauf hätte ich Lust und bin neugierig wie das wird!»

Was würde passieren, wenn ich für einen Moment aufhöre, mich zu vergleichen?
Wie würde sich Kreativität dann anfühlen?

Welche kleine kreative Handlung könnte ich heute ausprobieren?
Vielleicht nur für zehn Minuten, ohne Ziel und ohne Bewertung.


Ein sanfter Einstieg

Oft braucht es keinen grossen Anfang und keine grosse Leinwand.
Um die Kreativität neu zu entdecken genügt ein kleiner Moment, in dem du dir erlaubst, etwas auszuprobieren.

Ohne Anspruch. Ohne Ergebnis.
Einfach als Begegnung mit dir selbst.
Wie fühlt sich das an?


Wenn du dir Begleitung wünschst

In meinen Angeboten in der Nähe von Bern entsteht genau dieser Raum:
ein geschützter Rahmen, in dem du dich ausprobieren und deine Kreativität neu entdecken kannst. Ohne Bewertung, in deinem Tempo.

Ob im Bildertagebuch, an einem Maltag, im offenen Atelier, Retreat oder in Einzelbegleitung:
Du bist willkommen mit deiner Neugier, deiner Unsicherheit und deiner ganz eigenen Art, dich auszudrücken.


Sandra Baumann, Gestaltungs- und Maltherapeutin sowie Achtsamkeitstrainerin in der Natur
10. April 2026


Name
Gelbe Blumen im Atelier von Sandra Baumann